30.10.2017

Orte

nun aber bleibet glaube hoffnung liebe

A post shared by Mario Keipert (@mariokeipert) on

Pauluskirche

"nun aber bleibet glaube hoffnung liebe"

Vergesst mir nur die Liebe nicht! Das hatte uns der Alte hinterhergerufen, als wir uns auf den Weg machten. Das war gar nicht so einfach. Wir waren lange unterwegs, kamen durch Städte und Dörfer, gelangten ans Meer und ins Gebirge, wir verliefen uns und entdeckten neue Wege. Das Bild unseres Zuhauses wurde blasser, irgendwann verblich es fast ganz. Und die Liebe? Mal waren wir zu müde, dann zu aufgebracht, mal wie berauscht von den eigenen Ideen, dann überfordert vom Lärm der Welt. In einem Moment schien alles ganz einfach, im nächsten viel zu schwer für uns. Steinig, schmal und zuweilen steil war der Weg. Bis wir zu vertrauen lernten. Darauf, dass es hinter der nächsten Kurve weitergeht. Dass wir, so oft wir auch hinfallen, immer wieder aufstehen, den Staub von der Hose klopfen und weitergehen können. Dass wir uns am besten gegenseitig helfen können. Dass all unsere Fragen wichtig sind, wichtiger vielleicht als die Antworten. Wir lernten, dem Lauben Glauben zu schenken. Wir lernten, einander zu vertrauen. Wir sahen einander an. Wir sind im Licht. Zuhause.

23.10.2017

Der geglückte Tag

Der geglückte Tag beginnt vor dem Sonnenaufgang, im Licht einer Kerze auf dem Meditationskissen. Ich habe Zeit. In aller Ruhe bereite ich den Frühstücksbrei, bevor ich die Kinder wecke, die - zumindest an besonders geglückten Tagen - fröhlich aufstehen und voller Appetit das Frühstück in sich hineinschaufeln. Das Radio bleibt aus, die E-Mails können warten. weiterlesen

15.10.2017

Orte

Aus Sicht des Gitarristen

A post shared by Mario Keipert (@mariokeipert) on

Pauluskirche, Zwickau Marienthal

Zwanzig Jahre, ein Wimpernschlag:
Da standen wir auf der Bühne, sangen, spielten und glaubten
daran, dass wir etwas Großes vollbrachten.

Zwanzig Jahre, ein Wimpernschlag:
Heute steht dein Kind auf der Bühne und singt, spielt, tanzt.
Etwas Großes entsteht, beinah
hattest du es vergessen.

Nehmen wir einander an die Hand und in den Arm,
nehmen wir uns beim Wort und wirklich wahr
und verlieren wir uns nicht aus dem Blick,

entsteht, wozu wir fähig sind: in Gemeinschaft, in Zuwendung, in Liebe.

Einen Wimpernschlag später nur,
die Tränen kann ich nicht unterdrücken,
fängt mit deinem Kind auch deine Geschichte
von Neuem an.


21.09.2017

Ich weiß, was ich diesen Sommer getan habe

10 Ereignisse, die diesen Sommer unvergesslich machen. weiterlesen

20.09.2017

und in dem moment holt meine Liebe zum Gegenschlag aus

Wirklich geschehen: Ich las vor dem Einschlafen noch eine der Erzählungen von Doris Anselm, es war, glaube ich, "Das Gartenjahr", in der zwei Frauen auf gänzlich unspektakuläre Weise einen Kleingarten bewohnen, bis das Alter, die Zeit, sie einholt. Ich sank in einen wohligen Schlaf, in dem ich die Geschichte weiterträumte, bis ich aufwachte, das offene Buch neben mir, nicht wissend, was ich gelesen und was ich geträumt hatte. weiterlesen

07.08.2017

Orte

Vitte - Schaprode #hiddensee

A post shared by Mario Keipert (@mariokeipert) on

Vitte, Hiddensee

Die Pläne reichten wie immer nur bis zur Ankunft. Kaum stand das Auto auf dem Parkplatz, da verließen sie ihn. Die Pläne. Und die Zuversicht. Im Rücken die Geschäfte, die Emails, die verpassten Telefonate, die Rechnungen, die Todo-Listen, der vollgepackte Kühlschrank, vor ihm: nichts -

Sieben Tage aus dem Alltag gefallen, ohne Netz und doppelten Boden. Sieben Tage Langeweile.

Was wollen wir hier?

Schlimmes schwante ihm, als er an der Reling der "MS Hansestadt Stralsund" lehnte, die sie auf die Insel brachte. Der schmale Streifen Land inmitten von Meer und Bodden näherte sich unaufhaltsam - und mit ihm der Zeitpunkt der Ankunft, der Moment, wo er seinen Fuß auf das Eiland setzen würde, Heimstatt der Ungewissheit, Home of the Brave.

Als mutig würde er sich nicht bezeichnen.

Flau war ihm im Magen, und als sei das nicht genug, rief seine Frau: Freuen wir uns des Lebens! Er hasste Urlaube noch bevor sie begannen.

Zum Glück gab es die Kinder. Die sprangen als erste von der Fähre und ersparten es ihm, das mutige, tatkräftige Familienoberhaupt spielen zu müssen. Die rannten vorneweg und fanden, als hätten sie eine Karte der Insel in ihrem Kopf, sofort die wichtigen Orte: Spielplatz, Eisdiele, Kino und den Weg zum Strand. Die trafen alle Entscheidungen, bevor Ungewissheit sich breitmachen konnte. Wie leere Blätter sich im Schreiben wie von selbst mit Schrift füllen, füllten sich die sieben Tage unaufhaltsam mit Erlebnissen und Beschäftigungen, von denen vieles - ähnlich wie mit der Hand beschriebene Seiten - im Laufe der Zeit immer weniger zu entziffern sein würde.

Die Pläne reichten bis zur Ankunft. Sehnsüchtig blickte er sieben Tage darauf zur Insel zurück.

27.07.2017

Ein fauler Gott

Stephan Lohse unternimmt in seinem Debüt-Roman eine zweifache Zeitreise. Er verlegt die Handlung in die 1970er Jahre. Und er erzählt zu weiten Teilen aus der Perspektive eines 11-Jährigen. Entstanden ist aber weder eine Hommage an das Leben in den 1970ern noch ein klassischer Coming-of-Age-Roman. Lohse erzählt von einem doppelten Zur-Welt-Kommen. Und der Leser erlernt von einem Teenager noch einmal das Sehen. weiterlesen

26.07.2017

Eine allgemeine Theorie des Vergessens

Es ist eine unglaubliche Geschichte, der ein unvorstellbarer Schmerz zugrunde liegt. Ludovica Fernandes Mano erschießt am Vorabend der angolanischen Revolution in Notwehr einen Mann, den sie auf ihrem Balkon begräbt. Danach mauert sie sich in ihrer Wohnung ein, um die nächsten dreißig Jahre als Gefangene ihrer selbst in der Wohnung zu verbringen, während sich vor ihrem Fenster die Welt rasant verändert. Fast scheint es, als hätte die Welt sie vergessen ... weiterlesen

05.07.2017

Orte

Kreativer Imperativ: Lass... Aus der Sommerschreib-Werkstatt mit @susanneniemeyer am #benediktshof

A post shared by Mario Keipert (@mariokeipert) on

Benediktshof, Münster

Am Meer ist der Himmel weiter vielleicht
als hier, doch blauer nicht, nicht näher.
Lass uns hier bleiben, lass
der Sehnsucht ihren Lauf, bleib da.

Lass uns den Garten vor dem Haus pflegen, lass
dir Geschichten erzählen, erzähl mir die deine.
Lass uns einander begreifen und Gäste empfangen, lass
uns den Alltag Urlaub nennen und das Leben ein Fest.

Lass Langeweile dir schmecken und koste die Stille. Dann
lass das Lassen. Sei da.

30.06.2017

Paul Auster: 4 3 2 1

Ein schwerer Brocken: Paul Austers "4 3 2 1" hielt mich mit seinen 1259 Seiten fünf Monate lang in Beschlag. Weil sich, was da zwischen den Buchdeckeln liegt, kaum zusammenfassen lässt, mach ich's kurz ... weiterlesen