10.07.2016

Briefe aus der Bretagne (4)

Weitere Koller: der Bergfest-Koller. 1 Der halbe Urlaub ist vorbei, und die Zeit rinnt uns wie Sand durch die Finger. Nein, wir haben keine Wanderungen unternommen, auf denen die Anstrengung durch atemberaubende Ansichten und unvergessliche Erlebnisse belohnt wurde. Nein, wir haben uns die Bäuche noch nicht genug mit Crèpes und Galettes vollgeschlagen, und auch Muscheln haben wir noch keine gegessen - dabei sitzen wir fast jeden Tag im Le Mao! Baguettes, Pain au Chocolat, der unnachahmliche Far Breton - alles noch nicht genug vertilgt. Endlich können wir uns die Kostbarkeit dieses Urlaubs bewusst machen, indem wir die Tage rückwärts zählen! Last Chance!

Oder: der Langeweile-Koller. Seit einer Woche sitzen wir in diesem beschaulichen Fischerdorf, das auf sagenhafte Weise von den großen Touristenströmen verschont geblieben ist. (Obwohl Ploumanac'h 2015 zum village préféré des Francaises ernannt wurde.) Die immer gleichen Spaziergänge zwischen Hafen, Felsen und Strand, die Lieblings-Crèperie steht fest, selbst der Chef des Le Mao kennt uns mittlerweile. Und wie von Zauberhand ist inmitten des Gewühls unser "Stammtisch" immer frei, so dass Silja mit einem Blick über die Theke der Crèpes-Fee auf die Finger schauen kann. Nichts Neues unter der Sonne, nur das Wetter vermag uns zu überraschen.

Stimmt: den Regen-Koller gibt es noch, der stimmt hier aber dank des hauchfeinen immer nur Minuten andauernden Regens, der dann unversehens von der Sonne abgelöst wird, eher versöhnlich.

Und, aller Herzlichkeit und dem Ausscheiden bei der EM zum Trotz: den Franzosen-Koller darf man auch mal haben - spätestens, wenn die tief im kulturellen Unbewussten verankerte Einparkweise zu abgefahrenen Rücklichtern beim Fahrradgepäck-Träger unseres ganz unschuldig und friedlich in der Rue du Centre parkenden Autos führt. Ein Schaden, der tags darauf allerdings für eine kleine (schwarze) Zahlung in die Kaffeekasse von der örtlichen Werkstatt flugs behoben wird - auch dieser Unmut löst sich also in Luft auf.

Kurz: Es geht gut, nur eine leise melancholische Stimme schwingt sich ab und zu auf, die von Heimkehr säuselt.


  1. Über den Familien-Koller hatte ich hier geschrieben. 


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