21.12.2012

Please, treasure yourself

Be thankful for what you’ve got

Weltuntergang, Weihnachtsstress oder nur der alltägliche Wahnsinn. Einer der von mir heiß geschätzten Podcasts aus dem San Francisco Zen Center machte mich auf die Praxis aufmerksam, das schätzen zu lernen, was, tagtäglich, ist. Wertschätzung als Grundlage für Freundlichkeit. Und Freundlichkeit kann bekanntlich die Welt ändern …

Tatsächlich: Macht man sich bewusst, was alles schon da ist, was alles schon gut ist, hilft das nicht nur, Gelassenheit zu entwickeln, Großzügigkeit, Hinwendung … Dankbarkeit für all das, was man hat und was man ist, transformiert jedes vermeintliche Problembewusstsein zum Anlass zum Handeln, oder, wie meine Tochter sagt:

Mensch, ärgere dich nicht, Spiel!

Kostbarkeiten aus den vergangenen Wochen

Im Gespräch, gespiegelt in den Fragen des Anderen, die Bedingtheiten des eigenen Denkens erkennen.

Die letzte Stunde des Tages mit dem Kind; zärtliches, einvernehmliches zu Bett bringen.

Das Kind, das morgens im Bett Hörspiel hört und den schnarchenden Vater anrempelt: “Papa, ich hör nichts.”

Zwei Stunden Schreiben; zu erleben, wie sich das Vermögen wieder einstellt, Welt in Sprache zu verwandeln, und auch anders herum: mit dem Möglichkeitssinn der Sprache die Welt wieder neu zu begehen. Aufgestanden, fühle ich mich fast wie im Rausch.

Gartenarbeit in der dämmrigen Stille des Novembernachmittags.

Schreiben am Morgen gegen den anfänglichen Widerstand.

Wie sich beim morgendlichen Sitzen eine Schwere einstellt, tiefe Ruhe unterhalb der Brust, während oben die Gedanken ganz leicht ein- und ausgehen.

Den Vormittag im Café verbringen; den Rechner ausgeschaltet lassen.

Heimfahrt mit meiner Tochter vom Kindergarten: die Straßenbahn, die auf uns wartet. Wie Vater und Kind zum Fahrer rufen, quer durch den leeren Wagen: Danke, Straßenbahn!

Die Abschiedszeremonie im Kindergarten: wie wir uns gegenseitig winken, Kusshände zuwerfen, winken usf. Bis ich vollkommen berührt und beglückt die Tür schließe. (Ich wäre gern ein Vogel und würde durch das Fenster weiter zusehen.)

Das wilde, freie Denken des Kindes, wie es auf der Rückfahrt vom Kindergarten in einem schier endlosen Strom aus ihr herauspurzelt: Sie hat von Pippi und die Seeräuber, Teil 2 geträumt; sie und ihre Freunde waren Seeräuber, aber nicht Messer-Jocke oder Blutswende, sondern andere. Alle ihre Freunde seien Kanonen. Kanonenfreunde. Sie müsse dann noch laut die Autos beschimpfen, wenn wir aussteigen; sie tut das - seit wir einmal im Stau steckten - indem sie, laut, Pippis Lied singt. Ja, man darf auch mit seiner Mama schimpfen, sagt sie, und: Schimpf du mit deiner. Während der Vater versucht einzuparken und dem Kind, zwecks Konzentration, den Mund verbietet. Dieses aber, unbeirrt: Mensch, ärgere dich nicht, Spiel!

Sich nach dem morgendlichen Sitzen noch einmal an die Seite der Schlafenden zu legen und tief und fest zu schlafen.

Einen Tag lang einen Text nach dem anderen schreiben. Selbstvergessene Tätigkeit.

Mit meiner Tochter in der Zoohandlung einkaufen: wie das Mädchen den Einkaufskorb durch den Laden zieht, als kenne sie sich wer weiß wie gut aus; wie sie, während ich bezahle, den Korb in den Stapel am Eingang hebt und dann die Tüte mit dem Katzenfutter trägt: Papa, ich habe eine Stärke, nicht? In der Folge werden Vater und Tochter regelmäßig gemeinsam Katzenfutter kaufen; und das Kind wird dem Vater vorauseilen, wohlwissend, wo das Gesuchte zu finden ist; und glücklich über seine Aufgabe.

Das sich im Laufe eines Tages einstellende Bewusstsein, dass alles da ist und gut ist, nichts zu erreichen, nichts zu erlangen.

Der Kater, alt geworden in kürzester Zeit, der neben uns auf dem Sofa schläft, müde und ruhig. Das sehr bestimmte und klare Gefühl, dass die Trauer mein Problem sein wird, nicht seins. Nicht kämpfen, nicht um jeden Preis. Loslassen, zu erlernende Kunst.

Lust auf Arbeit.

Obstvesper am Nachmittag.

Mittagschlaf neben meiner Tochter, die Märchen schaut - bis sie auf mir, zugedeckt mit einem Kissen, einschläft.

Nirgendwohin wollen, wo man nicht schon ist.

Die Geschichte von der Wolke, die nicht regnen will.

Arbeiten schnell und zuverlässig erledigen. Und Anerkennung bekommen.

Mit der Tochter durch den Schnee laufen.

Innere Ruhe am Freitagnachmittag: Geschafft ist, was geschafft ist; so ist das, was zu tun war, getan. (Und alles andere dann am Montag.)

Sonntags um sieben nicht mehr schlafen können.

Please, treasure yourself

Ich wünsche uns allen Kostbarkeiten über Kostbarkeiten. Mögen wir dankbar sein für das, was wir haben, was wir sind. Möge 2013, mit ein wenig Achtsamkeit für uns selbst und die Menschen um uns herum, ein glückliches, freundliches Jahr werden. Denn die Welt geht noch lange nicht unter.


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