Frankie

Der Sinn des Lebens? Ist keine Frage, die sich meine Katzen stellen. Eher sind sie an Fressen mit leckerer Sauce und einem warmen Platz zum Liegen interessiert, als an philosophischen Fragen. Dafür aber beherrschen die haarigen Vierbeiner das Einmaleins der Lebenskunst auf eine Weise, von der wir Menschen nur träumen können. Ich meine solch praktische Weisheit wie:

„Und wenn man so ganz durcheinander is‘ von seinen Gefühlen und alles, ich meine, ihr kennt das sicher, dann leckt man sich erst mal zwischen den Beinen, weil man irgendwas tun muss und Lecken einen beruhigt wie sonst nix.“

Jochen Gutsch, Maxim Leo: Frankie. Penguin Verlag 2023

Jede*r Katzenliebhaber*in hat sofort ein Bild von der eigenen Katze vor Augen – oder auch gleich den Schwanz der Katze im Gesicht. Dass die Katze sich aber wortgewandt erklärt und ihre Sicht auf das Leben so neunmalklug wie naiv schildert, kopfschüttelnd über all die Gehirnverrenkungen und Anstrengungen ihrer „Dosenöffner“, um sich dann vertrauensvoll ans Leben zu schmiegen: das kommt nun nicht ganz so oft vor.

Hier hat nun Frankie seinen Auftritt: der Ich-Erzähler und Protagonist des gleichnamigen Romans von Jochen Gutsch und Maxim Leo. Frankie ist der Kater, der alle Katzenfiguren der Literaturgeschichte mit Augenaufschlag im Regen stehen lässt.

Der Kunstgriff des Autorenduos ist dabei relativ einfach: genaue Beobachtung trifft auf gewitzte Sprachfähigkeit. Auf der einen Seite ist Frankie eben ein prototypischer Kater mit all den Verhaltensweisen, für die Menschen ihre Katzen lieben: dem Katzen-Yoga, der Tiefenentspannung, der blinden Tollpatschigkeit und der tollkühnen Artistik, der Fresssucht und dem nahezu unwiderstehlichen Schlafverhalten. Kurz: dem ganz selbstverständlichen „Ich bin, wie ich bin“. Auf der anderen Seite aber kann Frankie besser reden als mancher Mensch und verrät so nicht nur ziemlich viele seiner Katzengedanken – sondern wirft aus dieser Perspektive einen sehr liebevollen, aber grundlegend kopfschüttelnden Blick auf die zweibeinige Spezies, die ihn umgibt.

Liebevoll: das trifft dieses Buch wohl so gut wie kaum ein anderes Wort. Gutsch und Leo haben ein sehr leichtes, unterhaltsames und von Liebe zum Leben gezeichnetes Buch geschrieben – vor allem: von Liebe zu Katzen. Frankie ist ein recht räudiger, vom Leben gezeichneter Kater, der mehrmals im Tierheim saß. Er trifft auf Richard Gold, der sich gerade das Leben nimmt und von dem herumlaufenden Kater de facto ins Leben zurück gezwungen wird. Ein bisschen Hilfe kommt von der russisch sprechenden Tierärztin Anna Komarowa, den Rest der Magie besorgt der um keinen Spruch verlegene Kater selbst.

“Ich dreht mich auf den Rücken, streckte meinen Bauch und mein schneeweißes Milchkinn vor. Ich lag da völlig schutzlos, und wär jetzt von oben ´n hungriger Adler gekommen – Tschüss, Frankie. Aber ich hatte wirklich Lust auf ne Streichelei. Und wenn man auf was Lust hat, dann muss man es machen. Am besten gleich.

Lesen Sie einfach dieses charmante, lebensfrohe Buch. Am besten gleich.