30.12.2017

Herr Wohllieb, Susanne Niemeyer und das Paradies

Man müsste das Paradies finden, denkt Herr Wohllieb.

Das Paradies: in den Büchern von Susanne Niemeyer versteckt es sich irgendwo zwischen Rhabarberbaiser und Butterblumen. Hier darf man es suchen: im Unscheinbaren, Konkreten, Alltäglichen. Und finden lässt es sich überall – nur nicht dort, wo man es erwartet. Die Lücke am Morgen und der Ententeich jenseits der Hauptstraße: hier ließe sich anfangen.

Herr Wohllieb ist kein Grübler, eher ein Spieler. Was er besonders gut kann? Staunen. Er stellt gern Fragen, ohne auf eine nützliche Antwort zu schielen. Fragen sind erst einmal nur Türöffner, Fremdmacher. Das Leben, das Paradies, Gott: das sind nur drei Sachen, die anders sind als gedacht. Da hilft es, ein wenig Luft ins Oberstübchen zu lassen: Fenster auf und frischen Wind rein, der die festgefahrenen Gedanken und Vorstellungen durcheinanderwirbelt. Schwermut? Nein: Leichtsinn ist gefragt, wenn es um die großen, ernsten Fragen geht, die das Leben so stellt.

Fragen und Antworten machen zu zweit definitiv mehr Spaß. Deshalb hat Herr Wohllieb seine Sophie. Und wir haben Susanne Niemeyer.

Die in Hamburg lebende Autorin bringt mit ihren schmalen Büchern voller unerwarteter Fragen und überraschender Auflistungen schon einmal den Alltag durcheinander – und stellt ihn vom Kopf auf die Füße. Im Grunde schreibt Susanne Niemeyer poetische Ratgeber zu einfachen wie grundlegenden Glaubens- und Lebensfragen. Klingt wenig aufregend, ist aber großartig. Weil die Autorin weder Gott noch den Sinn des Lebens und vor allem sich selbst nicht zu ernst nimmt, mit den Worten spielt wie Pippi Langstrumpf in der Villa Kunterbunt und so zu einer Sprache findet, die intelligent und erfrischend, leicht und konkret ist. Authentisch, inspirierend und ins Leben wirkend: Susanne Niemeyers Bücher sind Türöffner und ein großes Vergnügen!

(Ein Stück vom Paradies indes fand ich in der Mitte des Jahres auf dem Benediktshof nahe der Ems: In einer alten Remise bei einem Teich voller Frösche war es, da verbrachten wir schreibend und lesend die warmen Juli-Tage. In der Sommerstille entwickelten die von uns skizzierten Texte ein Eigenleben, und unser Lachen flog über die Wiesen. In ihrer Schreibwerkstatt führte Susanne Niemeyer uns mit unseren Texten auf immer neue Wege, mit ihnen zu spielen, sie zu erfahren, auszukosten, zu verwandeln, zu entfalten. Und so, mit Abstand zu dem selbst Geschaffenen, ganz nah bei uns zu sein. Wenn wir nicht schrieben, weilten wir in der Stille oder teilten die von Mal zu Mal köstlicher werdenden Mahlzeiten. Herrlich, das Leben. Komisch zuweilen – und anders als gedacht.)

Foto und Illustration: (C) Susanne Niemeyer

Bücher

Diese Bücher begleiteten mich durch das Jahr – ein jedes davon sei wärmstens weiterempfohlen:

  • Susanne Niemeyer: Herr Wohllieb sucht das Paradies. 40 Geschichten vom Glück. Herder 2017
  • Susanne Niemeyer: Sieben Tage Mut: Das kreative Mitmach-Heft. Herder 2017
  • Susanne Niemeyer: Eva und der Zitronenfalter. Frauengeschichten aus der Bibel. Edition Chrismon 2017
  • Susanne Niemeyer: Soviel du brauchst. Geschichten von Mut und Manna. Herder 2017
  • Susanne Niemeyer, Matthias Lemme: Große Freiheit. Die Geschichte des Wasserwandlers. Adeo Verlag 2016
  • Susanne Niemeyer: Sieben Tage Leichtsinn: Das kreative Mitmach-Heft. Herder 2016
  • Susanne Niemeyer, Matthias Lemme: Brot und Liebe: Wie man Gott nach Hause holt. Kreuz Verlag 2013

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